Fische: Wasser, veränderlich, weiblich, 12. Haus, Neptun

Es schneit, es stürmt, es regnet, es ist dunkel draußen in der Welt. Es ist die Jahreszeit der Fische zwischen dem 20. Februar und dem 20. März und der Wendepunkt der Natur, in dem sie sich von den letzten winterlichen Überresten befreit, die ersten Schneeglocken aus dem noch leicht gefrorenen Boden dringen und sie sich wieder auf einen neuen Kreislauf vorbereitet. Der Schnee beginnt zu schmelzen und das Wasser wieder zu fließen, der Boden taut auf und die Tage werden wieder länger.

Auch das Leben schließt im veränderlichen Tierkreiszeichen Fische seinen Lebenskreis und kehrt dahin zurück wo es einmal hergekommen ist – in den Urozean des Lebens. Wir befinden uns in der letzten Phase des Entwicklungsweges des Menschen durch die zwölf Tierkreiszeichen. Johfras künstlerisches Werk zeigt uns einen Fischemenschen, der im Urozean sitzt, umgeben von schillernden Korallen und verschiedensten Algen. Diese Unterwassergeschöpfe sind typisch neptunisch – sie lassen sich von den Strömungen des Wassers treiben und ohne jegliche Eigenkontrolle vom Wasser bewegen. Ihre Beweglichkeit und Weichheit sind eine Analogie im Zeichen der Fische, welches die höchste Ebene der veränderlichen Zeichen einnimmt. Ihre Pracht der schillernden Farben zeigen sie nur unter Wasser. Denn an die Oberfläche geholt verlieren sie diese Farbenpracht sehr schnell. Das wellenartige Gewand und die Haare des Fischemenschens nehmen diese dahintreibenden Formen wieder auf. Die zwei, zentral im Bild platzierten Fische stellen wie ein Ying-Yang Zeichen die völlige Einheit dar und formen mit ihren zwei Körpern einen Kreis. Die Münder der Fische sind durch ein Band mit zwölf Punkten miteinander verbunden, die uns an die zwölf Tierkreiszeichen, und den Weg durch sie hindurch, erinnert. Dieser Weg muss bestritten werden, um im Zeichen Fische ankommen zu können. Der rote Fisch ist jener aktive Teil des Menschen, der nach unten in die Tiefe schwimmt und sich seiner Innenwelt widmet. Der blaue Fisch ist jener passive Teil des Menschen, der in die Außenwelt blickt. Mit zunehmendem Alter wird das zu unserer Aufgabe – mehr nach innen zu schauen, Bilderreisen zu erleben, Erfahrenes aufzuarbeiten und im Außen passiver zu werden, sich von dem Trubel zu distanzieren und sich seiner inneren Welt mehr und mehr zu widmen.

Im Zeichen Fische geht es um die Auflösung des Vordergründigen, den unsichtbaren Hintergrund sichtbar und erfahrbar zu machen. Im Neptunprinzip kann die Realität als Illusion und Traum durchschaut werden. Der Schleier der Isis kann durch die Auflösung von Raum und Zeit gelüftet werden und die dahintersteckende Wirklichkeit gesehen werden.

Ich bin alles, was ist, was gewesen ist und was sein wird. Kein sterblicher Mensch hat meinen Schleier aufgehoben.

– Friedrich SchillerVom Erhabenen (1793)

Alle Formen und Grenzen werden in den Fischen aufgelöst – die Grenze zwischen dem Ich und dem Nicht-Ich fallen völlig dahin. Im Zeichen Fische werden die im vergangenen Zyklus gemachten Erfahrungen abstrahiert und der Inhalt von der Form getrennt, nur das Wesentliche des Erlebten bleibt erhalten. Mit dieser Erkenntnis können wir direkt eine Brücke zur weltbekannten Homöopathie schlagen. Eine auf der materiellen Welt bestehende Substanz, möglicherweise sogar giftig, wird immer wieder und wieder potenziert (verdünnt), dass die darin enthaltenden Informationen mit jedem Schritt der Verdünnung auf eine andere Ebene geholt werden. Bei der Potenz D 23 beispielsweise ist keinerlei Rückstand der materiellen Substanz mehr vorhanden. Nur noch die Idee und die Information wurde auf eine andere Ebene mitgenommen. Daher ist bei der Anwendung auch keinerlei Nebenwirkung im klassisch-medizinischen Sinn mehr zu erkennen. Aber Informationen bewirken mit uns Menschen etwas. Informationen, Wörter sind auch nicht sichtbar und können uns doch verletzen, uns trösten oder Mut spenden. Neptun bewirkt also etwas auf einer anderen Ebene.

Wo sich der Wassermann noch von dem Ego distanziert und die Entsubjektivierung stattfindet, wird im Zeichen Fische das Ego dem Selbst geopfert. Anhänglich – und Abhängigkeiten lösen sich auf und damit auch alle Sicherheiten, sowie der feste Boden unter den Füßen. Grenzen lösen sich auf und Strukturen verschwimmen –  alles fließt. Wasser ist nur zeitweilig in Formen oder Gefäßen einzufangen, da es von sich aus keine eigene Form behält. Wasser würde aus sich selber heraus nie eine Form behalten, außer man verändert seinen Aggregatszustand, aber auch dann ist es nur bei Minusgraden möglich. Damit hat das Element Wasser am meisten mit Zerfließen und Auflösung zu tun. Dieses Zerfließen sehen wir auch schön in der Karte Neptun/Fische des Symbolons von Peter Orban. Hierauf dargestellt ist ein Engel in einem fließenden, wellenartigen, pastellfarbenen Gewand, der eine Schale in der Hand hält, aus der das Wasser fließt. Das Wasser ergießt der Engel auf die Welt, um das Un-Wesentliche aufzulösen und die Wirklichkeit durchscheinend zu machen für das, was hinter ihr steht.  Über die Welt erhoben sehen wir im Hintergrund einen Regenbogen, der bei Regen und Sonne immer aus dem Nichts erscheint und nicht lange verweilend wieder verschwindet. Ähnlich wie wir es bei den Korallen gehört haben, verliert der Regenbogen in diesem Fall ohne Sonne seine Strahlkraft und verschwindet im Nichts.

Das Symbol des Tierkreiszeichen Fische zeigt zwei entgegengesetzt schwimmende Fische, die für die zwei Seiten des Fisches stehen. Die Verbindung der tiefsten Tiefen mit den höchsten Höhen transzendenter Welten. Zwei Seelenhälften, die miteinander in Berührung stehen, die in der Mitte verbunden sind. Diesseits und Jenseits. Die Berührung zweier Welten – der Innen- und der Außenwelt. Jene zwei Seiten und dessen Verbindung haben wir bereits auf ähnliche Weise in der bildlichen Darstellung Johfras sehen dürfen.

Das Symbol des Neptuns besteht bei naher Betrachtung aus zwei gegenüberstehenden Jupitersymbolen. Jupiter war bis zur Entdeckung von Neptun im Jahre 1846 der alte Herrscher von Neptun. Das Symbol erinnert gleichzeitig an den Dreizack des Gottes Neptun-Poseidon. In diesem Symbol ist es wohl nicht mehr zu verleugnen, dass drei steil nach oben gerichtete Pfeile von der Materie in den Himmel und somit auf die höchste Ebene verweisen. Drei Pfeile in einem Planetensymbol gibt es nur im Symbol des Neptuns. Daher scheint es hier allerhöchste Eisenbahn den Weg auf einer anderen Ebene zu beschreiten.

Der Weg eines jenen Einzelnen ist mühsam, aber auch mit viel Freude gefüllt. Die sieben Entwicklungsstufen des Fisches sind es ebenfalls. Auf der ersten Stufe kann Sucht statt Suche das Leben hauptsächlich bestimmen. Völlig haltloses Chaotentum bis hin zu Irrsinn, Dissoziation der Persönlichkeit, deren Grenzen zerfließen. Aktives Täuschen, wobei es hier darum geht, dass Neptun nicht nur andere, sondern vor allem sich selbst belügt. Auf der zweiten Stufe finden wir Tendenzen zur Mauschelei, ein Ignorieren der Schicksalsgesetze und der Spielregeln des Lebens. Die dritte Stufe ist geprägt von der Wandlung der Hilflosigkeit hin in ein Helfersyndrom. Auf dieser Ebene befinden sich auch unrealistische Träumer, deren mangelndes Selbstbewusstsein die Umsetzung ihrer unverwirklichten Sehn-Süchte eher behindert. Diese Nicht-Umsetzung der Sehn-Süchte führt zu einem noch stärkeren Gefühl, das ewig arme Opfer zu sein. Enttäuschungen können auf dieser Ebene die Täuschungen beenden und ein langsames Erwachen fördern. Die vierte Stufe bringt Feinfühligkeit ins Spiel und es kommt langsam zur Wahrnehmung der Wirklichkeit hinter der sichtbaren Welt. Trotzdem liegt hier immer noch zu schnelles Aufgeben vorn und man rutscht wieder in die Einsamkeit zurück. Die fünfte Stufe ist geprägt von Sensibilität, echter Kreativität und langsam wachsender schöpferischer Fantasie und Intuition. Die sechste Stufe beherbergt die echte Demut, die die Demütigungen vom Anfang abgelöst hat und die eigene Hilflosigkeit und Bedürftigkeit, die sich in Bedürfnislosigkeit und Selbstlosigkeit verwandelt haben. Die letzte Stufe ist bestimmt von reinem Sein jenseits von Ego. Dadurch wird diese Stufe zum Empfinden von All-Liebe und All-eins-Sein.

„Wenn die Pforten der Wahrnehmung rein wären, dann erschiene den Menschen alles, wie es ist: Unendlich.“

William Blake

 

Hans im Glück als Märchen zum Thema des Tierkreiszeichens Fische

Nach sieben Jahren harter Arbeit, möchte Hans nun zu seiner Mutter zurück und erhielt für seine Arbeit einen Klumpen Gold. Hans schnürte sich den Klumpen mit einem Tuch und trag ihn den weiten Weg. Schwer unter dieser Last zu tragen, traf Hans einen Reiter und tausche seinen wertvollen Klumpen Gold in ein nützliches Pferd, welches ihn trägt. Dieses wirft Hans jedoch ab und er tauscht sein Pferd in eine Kuh. Die Kuh trat den Hans beim Versuch sie zu melken. Daher tauschte er beim Metzger die Kuh in ein Schwein. Auf dem weiteren Weg verlief erstmal alles gut bis er einen jungen Knaben mit einer Gans traf. Dieser erzählte ihm, dass das Schwein gestohlen sein konnte und das nach dem Dieb schon gesucht würde. Also tauscht Hans das Schwein gegen die Gans und traf nach kurzer Zeit einen Scherenschleifer, der ihm erzählte, dass ein Scherenschleifer viel Geld verdienen könne. Hans tauscht also seine Gans in einen Wetzstein und einen Stein zum Klopfen. Da Hans durstig wurde und aus einem Brunnen trinken wollte, legte er seine Steine auf den Rand des Brunnens. Als er sich hinabbeugt, um zu trinken, stößt er versehentlich an die Steine, die daraufhin in den Brunnen fallen. Die schweren Steine waren das letzte, was ihm noch hinderlich gewesen ist. Frei von aller Last und glücklich kommt er heim zu seiner Mutter.

Hans ist ein unerschütterlicher Optimist: Immer wieder setzt er seine Hoffnung auf andere Dinge, deren Vorzüge seine Tauschpartner ihm rosig ausmalen. Er projiziert seine Hoffnung auf ein besseres Leben immer wieder auf andere Objekte. Jede seiner Erwerbungen hat jedoch neben ihren Vorzügen auch einen Pferdefuß, ist mit Gefahren oder Beschwernis gekoppelt. Deshalb ist er jedes Mal froh, das Ding wieder los zu sein. Das ist auch die Erkenntnis, das Nichts haben frei und unbelastet macht und die Menschen heute viel zu sehr auf Materielles achten. Hans macht es immer wieder glücklich, wenn es weniger wird. Daher ist Hans kein Trottel, der seinen Klumpen Gold ungeschickt in Nichts tauscht, sondern eben „Hans im Glück.“

Zum Abschluss einen kleinen Einblick in den Alltag des Fisches im Straßenverkehr:

Ist der Fisch mit dem Auto unterwegs hat er keinen festen Stil im Straßenverkehr. Abhängig wovon er gerade träumt ist eher chaotischer, schneller oder langsamer unterwegs und überschreitet damit auch mal gerne aus Unachtsamkeit das Gesetz. Da der Fisch aber unter einer sogenannten Tarnkappe unterwegs ist, wird diese Gesetzesüberschreitung meist nicht geahndet. Meist fährt der Fisch eine Rostlaube, die nicht auffällt, wenig kostet und am TÜV nur noch vorbei geschmuggelt werden kann. Geparkt wird egal wo und auch wegen der Tarnkappe wenig geahndet, denn meist rührt die Politessen die Rostlaube so sehr, dass das Vergehen dann ignoriert wird.